grlz - women ahead of their time!

Varous Artists

Various Artists: GRLZ
Label: Crippled Dick Hot Wax!
Katalognr. CDHW 099
Veröffentlichungsdatum: August 2005
Deutschland-Vertrieb: Alive!
Weltweiter Vertrieb: MDM
Limitierte Vinylauflage, nichtexklusiver Vertrieb
Beide Cover in limitiertem Zweifarb-Neondruck erhältlich


GRLZ

Tracklisting:


01. Maximum Joy: Stretch (1981)
02. Ludus: Breaking the rules (1983)
03. Dorothy: Softness (1980)
04. JaJaJa: Katz rap (1982)
05. Bow Wow Wow: C-30, C-60, C-90 ANDA! (1980)
06. Delta 5: Mind your own business (1980)
07. Slits: I heard it thru the grape vine (tbc)
08. Rip, Rig and Panic: Storm the reality asylum (1982)
09. Anna Domino: Zanna (1988)
10. New Age Steppers: Fade away (1981)
11. Rip, Rig and Panic: Sunken Love (1982)
12. Nicolle Meyer: Nowhere by mir (1983)

Begleittext von Vivien Goldman



Hintergrund:

Frauen ans Mikro, bitte!
Nach – von wenigen Ausnahmen abgesehen - erdrückender Männerdominanz während der 70er Jahre manifestierte sich mit dem Aufkeimen des Punks auch eine neue Selbstverständlichkeit: Ungemütliche Frauenbands wie The Slits, Au Pairs oder die deutschen Mania D machten sich daran, ihr schwanzdominiertes Musikumfeld aufzumischen. Das Klischee des geschirrspülenden Weibchens, reduziert auf die Aufzucht der heimischen Brut und Anhimmeln des starken Ernährers, erfuhr eine radikale Schubumkehr – bei vielen wegweisenden Bands dieser Zeit standen Frauen an vorderster Front.
Was vereinzelte Popaktionisten wie Valie Export schon Anfang der 70er Jahre äußerst provokant in die Wege geleitet hatten, wurde nun, knapp 10 Jahre später, von ihren musikalischen Geschlechtsgenossinnen aufgegriffen und weitergeführt.
Grlz widmet sich jedoch weniger der politischen Aussage hinter dieser künstlerischen Emanzipation, sondern vielmehr dem musikalischen Selbstverständnis der singenden Damen. Sämtliche Tracks bestechen durch ihre hemmungslose, unverbrauchte Frische:





Als Janine Rainforth (Gesang/Geige/Klarinette) und Tony Wrafter (Saxofon, Trompete – ehemals Glaxo Babies) 1979 als Maximum Joy vor die Öffentlichkeit traten, wurden sie zunächst noch im Kielwasser der berüchtigten Lokalmatadoren The Pop Group verortet.
Aber schon bald überzeugten Maximum Joy mit ihrer ganz eigenen Variante des damaligen Postpunk-Bristolsounds nicht nur die Lokalszene, sondern auch deren wichtigste Protagonisten: Charlie Llewellyn (Schlagzeug, vormals Glaxo Babies), Dan Catsis (Bass, ehemals Pop Group & Glaxo Babies) sowie John Waddington (Gitarre, vormals Pop Group) erweiterten das Line-Up.
Dick O’ Dell (Y Records) gehörte zu den Ersten, die das immense Potenzial dieser Band erkannten, und beförderte ihre Debütsingle Stretch in die Top Ten der NME Indie Charts.
Selbstverständlich war auch Radio 1-Koryphäe John Peel großer Maximum Joy-Fan, und die Band nahm im Laufe ihres Bestehens mehrere Peel Sessions. Insgesamt veröffentlichten Maximum Joy vier weitere Singles und eine LP, Station MXJY.


Im August 1978 entschlossen sich die gebürtige Liverpoolerin Linder Sterling und Gitarrist Arthur Kadmon, eine neue Band zu gründen – und ließen sich kaum zwei Monate später als Ludus erstmals auf einer Bühne blicken, als Vorband von The Pop Group in Manchesters Factory Club.
Während ihre Debüt-EP The Visit, eine seltsam verführerische Mischung eckiger, jazz-beeinflusster Akkorde und Linders entschlossener, textlicher Auseinandersetzung mit sexueller Politik und Kulturverdrossenheit, die UK Indie Charts eroberte, setzten Ludus ihre Liveauftritte im Großraum Manchester vor Bands wie den Psychedelic Furs, Joy Division oder Monochrome Set fort. Aber anders als ihre legendären Zeitgenossen verzichteten Ludus im Studio grundsätzlich auf externe Produzenten, obwohl namhafte Soundspezialisten wie der allgegenwärtige Martin Hannett (der schon Joy Division, Magazine und anderen Factory-Bands produziert hatte) oder ex-Van der Graaf Generator-Mastermind Peter Hammill starkes Interesse an einer Zusammenarbeit zeigten.
1982 entwickelte die – mittlerweile auf sieben Mitglieder angewachsene – Band einen dichteren, expansiveren Sound und nahm eine ausgezeichnete BBC-Session für John Peel auf. Aufgrund des erweiterten Line-Ups waren Ludus-Liveauftritte mittlerweile zur Rarität geworden, unvergessen bleibt jedoch ein Auftritt in der Hacienda/Manchester, für den sich Linder in ein selbst aus Hühnerfleischresten zusammengestückeltes Kleid gehüllt hatte. Als sie gegen Ende der Show – als hintergründige Hommage an Bucks Fizzs berühmten Eurovisions-Auftritt – ihren Rock zur Seite riss, unter dem ein großer, schwarzer Dildo auf die Zuschauer wartete, erregte sie damit zwar reichlich Aufmerksamkeit für ihr zentrales Anliegen – die kulturelle Ausbeutung der Frau – verbesserte aber nicht gerade Ludus’ Chancen auf Mainstreamerfolg. Linder: „Zu dieser Zeit zeigten sie in der Hacienda total viele Softpornos und hielten sich deshalb für cool. Als Vegetarierin wusste ich mich zu rächen – ich holte mir einfach Fleischreste aus einem Chinarestaurant, all die entsorgten Innereien … die Hacienda war noch immer eine Männerdomäne. Die gerieten alle in Panik – „Oh je, das gibt Flecken auf dem Boden!“ – und warfen die blutbeschmierte Linder aus der Cocktailbar.“
Noch vor der Show hatten ihre Helfer Pappteller mit je einer ausgedrückten Zigarette und einem rotgefärbten Tampon auf allen Tischen verteilt. „Tony Wilson (damaliger Chef von Factory Records und der Hacienda) kam rein und ging die Wand hoch, flippte total aus. Ich hab ihn vorher noch nie so außer sich gesehen – normalerweise spielt er den urbanen Mr. Cool. Er war total durch den Wind, also haben wir alles wieder eingesammelt. Aber dann zog Linder ihre Trumpfkarte: das Kleid.“
Bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1984 veröffentlichten Ludus mehrere Platten auf Disques du Crepuscule, Sordide Sentimental, New Hormones etc.



“Als die 19-jährige Dorothy damals in die Industrial Records-Rezeption spazierte, wusste keiner so recht, was man von ihr halten sollte. Aber nach kurzem Hören des Tapes, das sie zusammen mit dem jungen schottischen Gitarristen Alex Fergusson fabriziert hatte, war die Entscheidung schon gefallen – das konnte nur ein HIT werden! Diese Songs sind vielleicht nicht gerade das, was man von unserem Label normalerweise erwartet, aber wir hatten noch nie Angst vor dem Ungewöhnlichem, solange wir daran glauben. Und das könnt ihr uns glauben – Dorothy hat’s raus!“ Tony Graves (Industrial Records)
Für Industrial Records (Heimstatt von Throbbing Gristle und SPK) ist diese von Alex Fergusson (Psychic TV) produzierte und arrangierte Aufnahme in der Tat mehr als ungewöhnlich.
“Zwischen 1979 und 1981 hatte ich einen Deal mit Southern Music in London am Laufen – ich durfte ihr Achtspurstudio für Demoaufnahmen benutzen, solange sie im Gegenzug die Verlagsrechte bekamen. Während dieser Zeit schrieb ich also eine Menge unterschiedlicher Songs, und Industrial Records fand I Confess so gut, dass sie es als Single herausbringen wollten, also brauchten wir noch eine B-Seite. Genesis P. Orridge gab mir dann die Lyrics für Softness. Ich kannte ihn noch aus meinen Alternative TV-Zeiten, es war also ein interessanter Zufall, dass Softness letztendlich meine erste musikalische Zusammenarbeit mit ihm darstellen sollte!“ Alex Fergusson (Januar 2005)



Ja Ja Ja fanden sich Anfang der 80er Jahre zusammen. Mit der New Yorker Sängerin Julie Jigsaw, Pyrolator-Schlagzeuger Frank Samba und Wietn Wito an Bass und Gitarre veröffentlichten Ja Ja Ja 1982 mit Katzrap eine sehr No Wave-orientierte 7“ auf dem umtriebigen Düsseldorfer Label Atatak (Der Plan, Pyrolator, Holger Hiller, Andreas Dorau), die in In- und Ausland auf enthusiastische Reaktionen stieß. 1983 folgte ein unbetitelter Longplayer, der die Frische und Explosivität des Erstlings leider nicht wieder aufleben lassen konnte.



Nach dem Erfolg der Sex Pistols erfand das britische Managementgenie Malcolm McLaren mit Bow Wow Wow einen weiteren musikalischen Selbstläufer. In den frühen 80ern brachte McLaren die drei Musiker hinter Adam Ant – Matthew Ashman (Gitarre), Leigh Gorman (Bass) und David Barbarossa (Schlagzeug) – mit dem pubertierenden Gesangswunder Annabella Lwin zusammen.
Matthew dazu: „Ich war ein Ant – ein fürchterliches Erlebnis. Ich bin sowas von froh, aus der Band raus zu sein. McLaren bot sich an, unser Management zu übernehmen und meinte, wir sollten Adam rauswerfen. Also haben wir’s getan. Vorher hatte Adam alle Songs geschrieben … und Adam war nicht besonders gut. Ich mochte ich nicht wirklich. Er konnte nicht gut tanzen, und ich fand ihn auch etwas zu alt. Er war 25 … da haben wir ihn halt rausgeworfen.“
Als Meister der Legendenbildung beharrt McLaren darauf, er hätte die damals 14-jährige Myant Myant Aye (burmesisch für „cool, cool, hoch“) zufällig in einem Nordlondoner Waschsalon beim Singen entdeckt, in dem sie nach der Schule ab und zu aushalf. Um den nicht allzu polyglotten Briten die Aussprache zu erleichtern, verpasste er dem burmesischen Einwandererkind kurzerhand einen neuen Namen: Annabella Lwin.
Immer auf der Suche nach neuen, öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen überredete McLaren seine frischgebackene Band dazu, die weltweit erste Kassetten-Single herauszubringen. Im Juli 1980 veröffentlichte EMI C30, C60, C90, Go (B-Seite: Sun, Sea, and Piracy) als reines Kassetten-Release, bald gefolgt von der ebenfalls limitierten Kassetten-EP Your Cassette Pet mit acht zackigen Stücken. Aus dieser EP wurde im März 1981 die Vinylsingle W.O.R.K. (N.O. Nah No No My Daddy Don’t) ausgekoppelt, das hier vertretene C30, C60, C90, Anda füllte die B-Seite.
1983 entschloss sich Lwin zu einer Solokarriere, und die verbleibenden drei Bandmitglieder änderten ihren Namen in Chiefs of Relief. Sowohl Lwin als auch die Chiefs sollten in Folge eigene Alben veröffentlichen. 1995 erlag Ashman seiner Diabetes, und 1998 meldete sich eine Neuauflage von Bow Wow Wow mit Wild in the U.S.A. zurück, auf der sowohl Remixe als auch Liveaufnahmen der Wiedervereinigungstour zu hören sind.



Anfangs noch von den Erfolgen lokaler Helden wie The Mekons und Gang of Four inspiriert, wurden Delta 5 aus Leeds schon bald zu eigenständigen Schlüsselfiguren einer feministischen New Wave-Bewegung.
Die 1979 von der Sängerin/Gitarristin Julz Sale und den beiden Bassistinnen Ros Allen und Bethan Peters gegründete Band war zunächst nur als Scherz gedacht, aber mit Beitritt von Alan Briggs (Gitarre) und Kelvin Knight (Schlagzeug), katapultierte sie der Erfolg ihrer Debütsingle Mind Your Own Business an die Spitze der lokalen Postpunk-Szene. Oft verglichen mit Gang of Four – die nicht nur einen ähnlich aggressiven Funksound propagierten, sondern auch gemeinsam mit Delta 5 für Rock Against Racism stritten und ihren Drummer zwischenzeitlich durch Delta 5s Kelvin Knight ersetzten – wuchs die politische Bedeutung der Band nach einem berühmt-berüchtigten Angriff auf ihre Mitglieder durch rechtsgerichtete Schlägertypen und fand ihren Höhepunkt in der Rock Against Communism-Welle. Ihre unnachahmliche 2-Bass-Rhythmussektion unterschied sie klar von ihren Zeitgenossen, und mit einer erfolgreichen zweiten Single im Rücken (You) absolvierten sie eine hervorragende US-Tournee. 1981 verließen Delta 5 Rough Trade für das Charisma-Sublabel Pre, auf dem ihr Debutalbum See The Whirl veröffentlicht wurde. Aber obgleich die LP auch einige der frühen Singles enthielt, fiel ein Großteil der Platte gnadenloser Überproduktion zum Opfer – und scheiterte damit an sowohl Kritikern als auch Ladenkassen. Die desillusionierte Band trennte sich kurz nach der Veröffentlichung. (Jason Ankeny, All Music Guide).



Die eigentliche Karriere der Pop Group war kurz, aber heftig. Diese zusammengewürfelte Mischung Bristoler Jungs bewies, was wildgewordene Bürgersöhnchen vermögen, wenn Kompromisse nicht zur Debatte stehen: jede Menge Wind, ein Haufen Lärm, zarte Momente der Schönheit, ein neuer Blick auf die Dinge. Dass The Pop Group damit zu den besten Bands gehören, die die britischen Inseln jemals hervorgebracht haben, erschließt sich dem Zweifler jedoch eher in Betrachtung ihrer nicht weniger illustren Folgeerscheinungen: Mark Stewart zum Beispiel, auf On-U-Sound als Mark Stewart the Mafia vertreten, beherbergte in seiner Wohnung einen gewissen Tricky, dessen TripHop ohne diese WG-Vergangenheit wohl anders ausgefallen wäre. Jon Waddington, ein weiteres Pop Group-Mitglied, sollte die furiosen Maximum Joy zu Großtaten inspirieren. Bruce Smith spielte bei den Slits, Public Image Ltd, Soul II Soul und Björk. Simon Underwood stürmte mit Pigbag die Charts – und das Gespann aus Gareth Sager und Bruce Smith gründete mit Rip, Rig & Panic eine entpolitisiertere, jazzbeeinflusste Variante der Pop Group mit Querverbindung zu den New Age Steppers - beides wichtige Startblöcke für Superstar Neneh Cherry.
Benannt nach einem grandiosen 60er Jazzalbum von Rahsaan Roland Kirk beantworteten Rip, Rig & Panic mit ihrer Existenz die selten gestellte Frage: Was geschieht, wenn avantgardistische Postpunks auf eine Pop-/Soulsängerin treffen, um dann gemeinsam mutierten Jazz herauszudreschen? In ihrer ersten Inkarnation (1980) galten Rip, Rig & Panic noch als vollkommene Avantgarde-Bohemiens, die sämtliche Popklischees gegen ein ursprünglicheres, Percussion-basiertes und leicht Afropop-angehauchtes Rhythmusfundament tauschten, und versetzten diese Basis mit Freejazz, Soulgesang und Cecil Taylor-inspirierter Klaviermanie. Aber trotz der offensichtlichen Intensität ihrer Musik war hier kein trockener, akademischer Ernst mit im Spiel. Ganz im Gegenteil: Bei Rip, Rig & Panic drehte sich alles um Spaß und Verspieltheit. Selbst die Songtitel (Constant Drudgery Is Harmful to Soul, Spirit & Health oder Those Eskimo Women Speak Frankly) hatten mehr Ähnlichkeit mit surrealen Schlagzeilen als mit traditionellen, griffigen Songtiteln. Nach drei fast durchgehend wundervollen, wenn auch widersprüchlichen Platten verabschiedete sich dieses zweifellos sympathischste Kollektiv von Avantgardisten, die jemals eine gemeinsame Platte aufgenommen haben, um sich anderen Projekten zuzuwenden.



In den Mittachzigern zählte die in Tokio geborene Amerikanerin Anna Domino zur aktiven Brüsseler Musikszene, in der nicht wenige „Immigranten“ aus den Vereinigten Staaten oder Großbritannien ihren Teil zum aufregenden, experimentellen Musikklima der Stadt beitrugen (u. a. Blaine L. Reininger, Tuxedomoon, the Legendary Pink Dots, Isabelle Antena und Paul Haig).
Während viele der Obengenannten ihre Klangexperimente auf dem Independent-Label Les Disques du Crepuscule veröffentlichten, brachte Domino ihr Debütalbum beim britischen Vorzeigelabel Factory Records heraus. Gesegnet mit der „erotischen, spannungsgeladenen, verzweifelten Peggy Lee-trifft-Nico-Stimme einer postmodernen, denkenden Blondine“(Smart Magazin) markiert die Single Zanna die Krönung ihrer überaus fruchtbaren Kollaboration mit Luc van Acker, der später mit Ministry und den Revolting Cocks zusammenarbeitete.



Für Adrian Sherwoods noch immer einflussreiches Label On-U Sound sollten die New Age Steppers gleich in doppelter Hinsicht wegweisend sein. Nachdem ihre Version des Junior Byle-Klassikers Fade Away 1980 die Label-Diskografie eröffnete, war auch ihr gleichnamiges Debütalbum der erste On-U Longplayer überhaupt.
Als treibende Kraft hinter NAS galt Arianna Foster alias Ari Up, Slits-Sängerin und damit Protagonistin einer der ursprünglichen „Girls with Attitude“-Bands. Neben anderen Britlegenden wie The Clash oder The Ruts fühlten sich auch die Slits eng mit dem rebellischen Grundgedanken des Reggae verbunden. Ari brachte Neneh Cherry (Stieftochter der Jazzlegende Don Cherry) mit, die zu dieser Zeit (noch vor ihrem internationalen Popdurchbruch) mit Rip Rig & Panic die abseitige Indiefunkszene aufmischte. Aus dieser Band fanden auch Sean Oliver und Bruce Smith zu den New Age Steppers – letzterer gehörte zuvor der legendären Pop Group an, wie auch Gitarrist John Waddington und Sänger Mark Stewart, der mit seinen ersten beiden Soloalben auf On-U Sound einige der radikalsten und brutalsten Stücke veröffentlichen sollte, die jemals auf Vinyl gebannt wurden.
Keith Levene von Public Image Limited stürzte sich nach dem zweiten Album ins Gemenge, während Style Scott (von Jamaikas führender Rhythmusmaschine Roots Radics) und George Oban (Teil der erfolgreichen, britischen Rootsband Aswad) Glaubwürdigkeit und das nötige Bass- und Schlagzeugfundament beisteuerten. Aus England gesellten sich die Creation Rebels Charlie "Eskimo Fox" und "Crucial" Tony Phillips dazu und schlugen mit ihrem Beitrag eine Brücke zu Adrian Sherwoods frühen Studioarbeiten. Darüber hinaus rekrutierte man Vivien Goldman und Vikki Aspinall aus dem Kollektiv der Rough Trade-Frauenband The Raincoats, und Steve Beresford brachte seine Flying Lizards-Erfahrungen ein.
Im Sommer 1982 veröffentlichten die New Age Steppers mit Action Battlefield ihr zweites Album für On-U Sound, gefolgt vom 1983er Schwanengesang Foundation Steppers – zu diesem Zeitpunkt hatte Bim Sherman schon einen Großteil der Gesangsparts übernommen.



Das frankoamerikanische Model Nicolle Meyer, die in den späten 70er und frühen 80er Jahren mit Fotograf Guy Bourdin Furore machen sollte, lernte bei einem Abstecher nach London 1978 Gottfried Tollmann kennen, der dort gerade seine erste Platte mit der Fred Banana Combo fertigstellte. Schon bald wurde Produzent Conny Plank (Kraftwerk, Ultravox, Eurythmics, DAF etc.) auf die Fred Banana Combo aufmerksam und produzierte bis 1987 insgesamt vier FBC-Alben für verschiedene Majorlabels. Als sich Nicolle und Gottfried 1980 zur Heirat entschlossen, spielte Nicolle bereits auf einem Titel (Disco Dreams) der ersten LP Schlagzeug und steuerte erste Gesangsparts bei. Die passionierte Autodidaktin lernte während der Plattenaufnahmen und war auf den Folgealben als vollwertige Sängerin und Schlagzeugerin vertreten. Erste Auftritte (die Band spielte bis zu 200 im Jahr) wurden von Gottfrieds Lehrer Joseph Beuys besucht, der sich im Gegenzug über mehrere Jahre hinweg von Nicolle Meyer fotografieren ließ. Diese Verbindung zwischen Kunst und Musik verdichtete sich in ihren Pariser Jahren: Gegen Ende 1989 eröffnete Tollmann eine Kunstgalerie mit Tonstudio an der Bastille.
1990 trennten sich schließlich die Wege der Band – und die von Gottfried und Nicolle. Letztere pendelt heutzutage zwischen New York und Mexico und ist als Buchautorin und Designerin tätig.



Bei den Slits handelte es sich um eine (fast) reine Frauenband. 1977 fanden sich Mitglieder der Castrators und Flowers of Romance zum Punkrocktrio um Ari Upp (Ariana Foster) zusammen, Viv Albertine und Tessa Pollit ersetzten bald die Gründungsmitglieder Palmolive (Paloma Romera, schloss sich den Raincoats an), Kate Korus und Suzi Gutsy. Als Ausnahme, die die Regel bestätigt, durfte mit Budgie aka Pete Clarke ein Mann ans Schlagzeug, der vormals bei den Spitfire Boys und später bei Siouxsie & the Banshees und The Creatures den Rhythmus vorgab und deren charismatische Sängerin sogar heirateten sollte. The Slits, die anfangs noch rotzig-frechen, eingängigen Punkrock aus ihren Instrumenten zerrten, hatten ihren ursprünglich extrem rauen, lärmigen Livesound (festgehalten auf einer Peel Session) noch vor dem 1979 von Dennis Bovell produzierten und Reggae-beeinflussten Debütalbum Cut (Island Records) deutlich bereinigt und poliert. Aber auf Cut sorgten nicht nur die herausragenden Songs für erhebliches Aufsehen, auch das Cover, auf dem die Band nackt posierte (bis auf Lendenschurze und etwas Schlamm) erregte die Gemüter.
Im Laufe der frühen 80er Jahre wurden Sound und Anspruch der Slits immer experimenteller und avantgardistischer. Zu dieser Zeit kam es auch zur bandübergreifenden Allianz mit den Bristoler Postpunk-Außenseitern The Pop Group, mit denen sie sich nicht nur einen Schlagzeuger teilten (Bruce Smith), sondern auch eine gemeinsame Single, In the Beginning There Was Rhythm/Where There’s A Will (Rough Trade).
Mit ihrer zweiten „regulären“ LP Return Of The Giant Slits (Rough Trade hatte zwischenzeitlich ein „halboffizielles“ Bootleg schlecht aufgenommener Frühwerke auf den Markt geworfen), schien die Band auch ihre ursprüngliche Energie, Ausgelassenheit und Innovation verloren zu haben. Diverse Slits engagierten sich daraufhin im On-U Dub-Jam-Projekt New Age Steppers, an dem auch freie Improvisationsspezialisten wie Steve Beresford beteiligt waren.

Die Single Typical Girls (B-Seite: Heard It Through The Grapevine) wurde 1979 für Island Records aufgenommen.

(Übersetzung Sonja Commentz)

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